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MENTALE FITNESS – BURNOUT BALANCE PROPHYLAXE TEIL 1

Was wäre, wenn ich dir eine Frage stellen würde: "Interessierst du dich für dich?" Was würdest du mir darauf antworten? Gehen wir mal davon aus, dass du diese Frage mit "Ja" beantwortest, interessierst du dich dann auch in all deinen Lebensbereichen für dich? Stehst du in den jeweiligen Lebensbereichen dort, wo du stehen willst, und lebst du ein Leben, das den Bereichen entspricht?

Die meisten Menschen sind der Ansicht, dass Burnout durch zu viel Stress entsteht. Doch ist das tatsächlich so? Ist Stress der einzige Auslöser, der zu einem Burnout führt oder steckt hinter diesem Auslöser noch ein weiterer? Wie kommt es zu Stress?

Burnout mehr als Überforderung...

Unter Stress verstehen viele eine Arbeitsüberlastung, Zeitdruck, Termindruck, zu viele Aufgaben auf einmal, keine Pausen, Lärm, Streit etc. Unter dem Begriff Stress wird allgemein ein subjektiver Zustand verstanden, in dem der Betroffene sich einer für ihn unangenehmen Situation oder Umständen ausgesetzt fühlt, die er weder vermeiden noch in seinem Sinne beeinflussen kann.

Burnout ist mehr als eine bloße Überforderung, es ist eine Aufforderung. Es ist ein gesunder, ein notwendiger Regulierungsmechanismus eines Menschen, der die Beziehung zu sich und seiner Umwelt verloren hat und "in seinem Leben fehlt." Es ist der Ruf nach Heimat, der Ruf nach einem wesensgemäßen Leben und nach Identität.

Niemand brennt über Nacht aus, sondern jedem Burnout geht eine Entwicklung voraus: eine Entwicklung eines Konflikts. Stress entsteht nicht allein durch eine "stressige" Situation an sich, sondern durch das, was wir aus der Situation machen. Erst wenn wir das Gefühl haben, einer Situation nicht gewachsen zu sein, geraten wir unter Stress. Der meiste Stress tritt in Beziehungen auf – in der Beziehung zu sich selbst oder in Beziehung zur Umwelt.

Leben ist Begegnung. Leben ist Beziehung.

Stress muss vom Individuum jedoch nicht zwangsläufig, als negativ erlebt werden. "Die Welt ist das, was unsere Gedanken aus ihr machen." Stress entsteht nicht allein aus der Situation an sich, sondern durch das was wir aus der Situation machen. Erst wenn wir das Gefühl haben einer Situation nicht gewachsen zu sein, geraten wir unter Stress. Der meiste Stress tritt in Beziehungen auf – in Beziehung zu sich selbst oder in Beziehung zur Umwelt. Als soziales Wesen bewegt man sich permanent in einem Spannungsfeld zwischen inneren Bedürfnissen und äußeren Anforderungen, zwischen Individualität und Prägung, dem Wunsch nach Zugehörigkeit und der Angst vor Ablehnung, und man befindet sich entsprechend in einem Zustand der Zufriedenheit, Entspannung, Anspannung und Frustration.

Burnout entsteht nicht im Verstand und kann nicht allein mit dem Verstand gelöst werden. Viele Betroffene wissen theoretisch, wie sie sich im Sinne der eigenen Gesundheit verhalten müssten. Auf der emotionalen Ebene blockiert, bleibt das Wissen Theorie und die praktische Umsetzung gelingt nicht.

Vier-Phasen-Modell

Für welche Phase sich der Betroffene entscheidet und wie lange er in ihr verweilt- Art und Dauer der einzelnen Phasen hängen hauptsächlich von den verfügbaren Kräften der einzelnen Person ab.

1. Die Alarmphase

Das Gegenüber wird als (existenziell) bedrohlich wahrgenommen. Diese Phase wird folgendermaßen charakterisiert: Auf der Körperebene beginnt das Herz zu rasen, der Herzschlag wird zum Teil unregelmäßig, der Puls flach und schnell. Häufig sind inneres Zittern, flache Atmung bis hin zur Luftnot, Schwitzen, kalten, feuchten Händen sowie Harn- und Stuhldrang zu beobachten. Viele Betroffen beschreiben auch einen Kloss im Hals. Die Symptome in der Alarm Phase sind die ersten klassischen Stresssymptome.

Auf der Ebene der Gedanken beginnt das fieberhafte Suchen nach Lösungen. Man stellt sich folgende Fragen: "Was kann ich tun, um die Situation zu lösen? Wie kann ich die Bedrohung abwenden?" Auf der Ebene der Gefühle beschreiben Betroffene zunächst ein Unwohlsein, Nervosität, Unsicherheit, Anspannung und innere Unruhe. Auf der Verhaltensebene konzentriert sich die gesamte Aufmerksamkeit auf das Gegenüber.

2. Die Widerstandsphase

Diese Phase ist eine zentrale Phase auf dem Weg zum Burnout. Gegenhalten kostet viel Kraft und irgendwann auch Reserven. Die körperlichen Symptome der Betroffenen können in dieser Phase individuell verschieden erlebt werden: Kopfscherzen, Magenschmerzen, Verspannungen, Rückenschmerzen, Übelkeit, Ekelgefühle und so weiter.
Dass körperliche, psychische und soziale Prozesse in permanenter Beziehung zueinanderstehen und sowohl bei Krankheit als auch bei Gesundheit zusammenwirken, dies kommt bei den heutigen Krankschreibungen aufgrund von psychosomatischen Beschwerden zum Ausdruck.

Auf der Ebene der Gedanken stehen in der Verteidigungshaltung folgende mögliche Gedanken im Vordergrund: "Das lasse ich mir nicht gefallen! Mit mir nicht! Da halte ich gegen!" Immer wieder spielt der Betroffene die konfliktreiche Situation innerlich durch, zunehmend werden die Gedanken auf Körpersymptome gerichtet. Jeder, der sich schon einmal in einem für dich unlösbaren Konflikt befunden hat, weiß, wie unerträglich es ist, vergeblich zu grübeln und keine Lösung zu finden. Dieses Gefühl der Hilflosigkeit ist nur begrenzt auszuhalten, somit beginnt der Betroffene sich gedanklich auf etwas anderes zu konzentrieren nach dem Motto: "Ich denke an etwas anderes, um das, was ich nicht will, zu vergessen."

Nachdem das Hauptgefühl in der Alarm Phase Angst war, ist es in der Widerstandsphase Ärger. Die Angst wandelt sich nun in Wut und Aggression um. Doch irgendwann erschöpfen sich auch Wut und Aggression. Auf der Ebene des Verhaltens findet zunächst ein Gegenankämpfen statt – sei es in Form von stummer Verweigerung oder lautem Widerstand. Dies erschöpft ebenfalls und der Betroffene reagiert mit Ablenkung. Symptome dafür sind beispielsweise viel zu unternehmen, immer beschäftigt sein, um bloß nicht an die eigentliche Belastung denken zu müssen.

3. Die Erschöpfungsphase – Beginn des Burnouts

Jeder Widerstand findet irgendwann sein Ende. Die Erschöpfungsphase ist dadurch gekennzeichnet, dass die Belastung als hoch, dauerhaft und unausweichlich erlebt wird. Sie wird weder durch Bewältigung noch durch Erholungszeiten gemildert oder ausgeglichen. Auf der Körperebene beginnen die Symptome chronisch zu werden. Dazu gehören Dauerkopfschmerzen, hoher Blutdruck, Magenprobleme, chronische Verspannungen. Die Betroffenen beschreiben in dieser Phase eine ausgeprägte Kraftlosigkeit, eine ständige Erschöpfung, erhöhte Infektionsanfälligkeit, Ein- und Durchschlafstörungen, Schlaflosigkeit trotz Müdigkeit.

Auf der gedanklichen Ebene findet hauptsächlich die Beschäftigung mit den körperlichen und psychischen Symptomen statt. "Warum geht es mir nur so schlecht?" Oftmals wird kein Zusammenhang mehr mit der Stresssituation hergestellt, in der man sich ja nach wie vor befindet. Die Wahrnehmung wird weiter abgeschaltet, der Konflikt weiter verdrängt und ausgeblendet. Auf der Ebene der Gefühle gibt es zwei Möglichkeiten in dieser Phase: Einige laufen vor Gefühl über, während andere erstarren und nichts mehr fühlen. Vor diesem Hintergrund sind dementsprechend Gefühle der Verzweiflung, Traurigkeit, häufiges Weinen und Hilflosigkeit zu finden. Die in der Widerstandsphase unterdrückte Angst kehrt zurück. Grundgefühl in dieser Phase: Schuldgefühle, Interesselosigkeit, Überforderung – "Mir wird alles zu viel, ich kann nicht mehr..." Hierbei sei erwähnt, dass Menschen mit Burnout überwiegend einen äußerst hohen Anspruch an sich selbst haben, der sich unter anderen darin äußert, in jeder Situation funktionieren zu müssen. Als einzige Bewältigungsmöglichkeit erscheint nun der vollkommene innere Rückzug.

4. Der Rückzug

Die letzte Phase beginnt. In dieser Phase ist das Burnout Syndrom voll ausgeprägt. Betroffene, die sich in dieser Phase befinden, berichten: "Es war, als hätte man den Stecker gezogen, nichts ging mehr." Die Gedanken kreisen in der Phase des Rückzugs hauptsächlich um die eigene Person. "Ich will nur noch meine Ruhe haben. Ich will allein sein."

Auf der Ebene der Gefühle ist häufig ein ausgeprägter Selbsthass zu finden. In dieser Phase gibt es auch zunehmend Impulse der Selbstvernichtung. Der Wunsch sich selbst zu zerstören kann sich im Bereich des Sports, durch unkontrollierbaren Suchtmittelmissbrauch oder auch durch das Eingehen von unternehmerischen Risiken zeigen. Nicht selten führt in dieser Phase der endgültige Ruin des Einzelnen zum Ruin des Systems, in dem er sich befindet und von dem er sich nicht befreien konnte. Weitere Merkmale sind eine allgemeine Starre, das Gefühl der Gefühllosigkeit, eine Teilnahmslosigkeit sowieso das Gefühl einer wachsenden Isolation der Umwelt gegenüber. "Ich nehme die Umwelt nur noch wie durch Nebel wahr...", so haben viele Betroffene diesen Zustand beschreiben, verbunden mit Gefühlen von Sinn- und Hoffnungslosigkeit dem Leben gegenüber. Auf der Verhaltensebene findet ein völliger Rückzug ins sich selbst statt.

Käfermodell der sechs Lebensbereiche

Der Mensch besitzt sechs entscheidende Lebensbereiche, welche die Grundlage für deine Gesundheit darstellen. Diese Lebensbereiche gliedern sich folgendermaßen – siehe Abbildung Folgeseite.

Wenn jemand von den sechs Lebensbereichen nur zwei ausgebildet hat – und davon eines eher schlecht als recht – dann kann ein Konflikt in dem einzig übrig gebliebenen Lebensbereich zum Burnout führen, weil der Betroffene weder einen Ort noch eine Situation zum "auftanken" hat. Je weniger ich mich in meinen Lebensbereichen mit mir selbst und meinem Umfeld im Dialog befinde, desto größer ist die Gefahr, beim nächsten Konflikt auszubrennen. Die Bedeutung eines Konflikts und die damit verbundene Gefahr eines Burnouts sind jedoch nicht nur abhängig von der Anzahl der Lebensbereiche, sondern auch von der Gewichtung der einzelnen Bereiche.

Jemand, der sich zum Beispiel sehr über die Partnerschaft definiert, wird eher unter einem Partnerschaftskonflikt ausbrennen als jemand, der seine Identität im beruflichen Bereich sieht. Je mehr man die eigene Identität im Außen anstatt im Innen sucht, umso größer ist die Gefahr eines Zusammenbruches, wenn das Äußere wegfällt. Mit sich und seiner Umwelt in jedem dieser Bereiche im Dialog zu sein, das ist die notwendige Grundlage für langfristige Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Dabei sollte folgendes zentrale Lebensgefühl die Basis sein: Sich mit sich und bei den anderen "zu Hause" zu fühlen." Nur dann kann man auch rasten und ruhen, sich regenerieren und entspannen.

Gerne begleite und unterstütze ich dich als Betroffene/n bei der Bewältigung deiner individuellen Herausforderungen zu diesem Thema.

Fachliteratur

Folgende Fachliteratur mit Checkliste für den persönliches Stressprofil möchte ich Betroffenen zu diesem Thema empfehlen:

  • Dr. med. Miriam Prieß – Burnout kommt nicht nur von Stress. Warum wir uns wirklich ausbrennen und wie wir zu uns selbst zurückfinden. ISBN 798-3-517-08881-5

Achtsam, wertschätzend und in deinem Tempo.